Lebensretter im Ehrenamt

18 Jul 2008

Eppingen - Neue Rotkreuz-Gruppe hatte in einem Jahr mehr als hundert Einsätze. Bis zum vergangenen Jahr war die Gegend um Eppingen ein weißer Fleck auf der HvO-Karte. Dann starteten mehrere DRK-Ortsvereine aus den Stadtteilen und angrenzenden Gemeinden eine gemeinsame Initiative. Mittlerweile gibt es Stützpunkte in Eppingen, Mühlbach, Elsenz, Kleingartach und Schwaigern-Niederhofen. Berwangen, Rohrbach und Adelshofen sollen hinzukommen.

Von Alexander Hettich

 

Retter mit Notfallpiepser (von links): Melanie Mayer, Stefan Linke, Ralf Keller, Bettina Greiner und Gerald Barth von der Volksbank, die mit einer Spende hilft.Foto: Hettich

 

Eppingen - Sie haben die kürzeren Wege und überbrücken bei Notfällen die Zeit, bis der Rettungswagen kommt. Elf Helfer-vor-Ort-Gruppen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kümmern sich im Landkreis Heilbronn ehrenamtlich um Unfallopfer, Herzkranke und alle anderen, die schnelle medizinische Hilfe brauchen.

Die Eingreiftruppe für das Gebiet „Kraichgau West“, also Eppingen und Umgebung, gibt es seit einem Jahr. Mehr als hundert Einsätze fielen bereits an. „Jede Minute zählt“, unterstreicht der Eppinger Notarzt Dr. Stefan Linke die Bedeutung der DRK-Freiwilligen.

„So wurden schon einige Leben gerettet“, weiß Linke. Ein fiktiver Fall für die Helfer vor Ort (HvO): In Mühlbach erleidet ein Patient einen Herzinfarkt. Die Notrufzentrale in Heilbronn setzt den professionellen Rettungsdienst in Marsch, informiert per Funk-Piepser aber auch Ralf Keller. Der DRK-Helfer wohnt im Eppinger Stadtteil. Er schnappt sich seinen Notfallrucksack samt Elektroschockgerät, rückt aus und startet die Reanimation. So gewinnen die Helfer Minuten, die lebenswichtig sein können. In 95 Prozent der Notfälle muss der Notarzt in einer Viertelstunde zur Stelle sein. So schreibt es das Gesetz vor. „Die Helfer vor Ort brauchen im Schnitt drei Minuten und 40 Sekunden“, beziffert Linke den Zeitvorteil. Die Ehrenamtlichen sollen die Profis nicht ersetzen. Sie leisten zusätzliche Hilfe, leiten lebensrettende Maßnahmen ein, beruhigen Angehörige.

Bis zum vergangenen Jahr war die Gegend um Eppingen ein weißer Fleck auf der HvO-Karte. Dann starteten mehrere DRK-Ortsvereine aus den Stadtteilen und angrenzenden Gemeinden eine gemeinsame Initiative. Mittlerweile gibt es Stützpunkte in Eppingen, Mühlbach, Elsenz, Kleingartach und Schwaigern-Niederhofen (siehe Karte). Berwangen, Rohrbach und Adelshofen sollen hinzukommen. Den Ansatz, der nicht einzelne Ortsvereine, sondern die Kooperation in den Vordergrund stellt, hat das DRK als Modellprojekt ausgezeichnet. „Von den Standorten ist es schon nicht schlecht“, findet Ralf Keller, „bei den Helfern müssen wir noch aufstocken.“ Mal sind es in einem Ort sechs, mal ist es nur ein einziger DRKler, der im Einsatz ist.

 

Retter mit Notfallpiepser (von links): Melanie Mayer, Stefan Linke, Ralf Keller, Bettina Greiner und Gerald Barth von der Volksbank, die mit einer Spende hilft.Foto: Hettich

 

Wenn sie keine Zeit haben für die Bereitschaft, betätigen sie einen Knopf am Handy im Rucksack. Die Leitstelle weiß dann: nicht im Dienst. Der nächste verfügbare HvO-Standort wird angefunkt. „Die Freiwilligkeit für die Helfer ist ganz wichtig“, betont Keller. Die ehrenamtlichen Notfallretter werden gut auf die Aufgabe vorbereitet. Voraussetzung ist neben der DRK-Mitgliedschaft eine Sanitätsdienstprüfung. Dazu gibt es rechtliche und psychologische Schulungen. Schließlich gehört ein Praktikum im Rettungsdienst als Feuertaufe dazu. „Viele hatten am Anfang Angst“, räumt die Elsenzerin Melanie Mayer ein. Doch die Begeisterung, helfen zu können, war stärker. „Das ist richtige DRK-Arbeit, wir konnten viele mitreißen.“ Trotzdem hätten alle schon Einsätze gehabt, „bei denen wir an unsere Grenzen gekommen sind“.

Das Netz Kraichgau West soll noch nicht an seine Grenzen stoßen. Ein Problem ist die Finanzierung. Ein Defibrillator kostet allein 2000 Euro. Da tun Spenden gut wie jene 5000 Euro, die Gerald Barth von der Volksbank Kraichgau jetzt zugesagt hat. Was noch guttut: positive Rückmeldungen. Gerne erinnert sich Melanie Mayer an die Frau eines Notfallpatienten, die sich nach dem Einsatz meldete: „Sie hat zu mir gesagt: ,Mein Mann hatte viele Schutzengel, und Sie waren einer davon.’ “

 

 

 

 

 

 

 

 

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